KULTURSCHOCK-Kino: LUCKY

LUCKY

7. NOVEMBER Drama, Komödie, DE 2017, 20 Uhr, Eintritt frei

Ganz am Ende von THE STRAIGHT STORY, nach zweistündiger Reise durch das Hinterland Nordamerikas, kommt der von Richard Farnsworth gespielte Endsiebziger Alvin an seinem Ziel an. Er ist auf seinem Rasenmäher in Iowa aufgebrochen, um nach Wisconsin zu fahren. Dort lebt sein Bruder Lyle, der krank sein soll und mit dem Alvin seit Jahren kein Wort mehr gesprochen hat. Er will Verpasstes nachholen, Zerbrochenes wieder richten, bevor es zu spät ist. Bis zu dieser letzten Szene hat man den Bruder nicht gesehen. Man weiß nicht, ob Alvin ihn vorfinden wird, ob Lyle überhaupt noch lebt und wenn ja, wie er reagieren wird. Und dann ist Alvin am Ziel und sieht die kleine Hütte seines Bruders. Er ruft Lyles Namen und kann nicht fassen, dass er tatsächlich eine Antwort erhält. Jetzt sehen wir Lyle zum ersten Mal. Er wird von Harry Dean Stanton gespielt. Anders als wir hat er Alvin nicht auf seiner unglaublichen Reise begleitet, kann er unmöglich wissen, was der alte und gebrechliche Mann alles durchgemacht hat, um seinem Bruder wieder nahe sein zu können. Die beiden Männer sitzen nebeneinander auf der Veranda und Lyle wirft nur einen kurzen Blick auf den Rasenmäher. Und in seinem Gesicht spielt sich in zwei Sekunden der komplette Film noch einmal ab. In diesem kurzen Augenblick gelingt es Harry Dean Stanton, mit zwei oder drei Sätzen und ansonsten nur mit seinen Augen, alles zu erzählen, was man wissen muss. Ein ganzer Film in einem traurigen, wehmütigen Blick. Diese Art von Schauspieler war Harry Dean Stanton, der am 15. September 2017 im Alter von 91 Jahren gestorben ist und der in LUCKY nicht einfach nur ein letztes Mal groß aufspielt, sondern in einem Film alles noch einmal zusammenfasst, was ihn seine gesamte Karriere über geprägt und ausgezeichnet hat. Man solle es ganz nüchtern einfach nur Sterben nennen.

http://lucky-derfilm.de/

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